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Was ist Psychoanalyse?

Heilen durch Sprechen

Psychoanalyse macht es möglich, mit etwas, worunter man leidet, besser umzugehen, es zu mildern oder ganz zum Verschwinden zu bringen.

Dies geschieht einzig und allein durch Sprechen.

Eine der ersten Patientinnen des Begründers der Psychoanalyse, Sigmund  Freud, hat die Psychoanalyse deshalb auch als „talking cure" bezeichnet: Heilung durch Sprechen.


Das Leiden

Das, worunter oder woran man leidet, sind eigentlich Versuche der Selbstheilung.

Weil diese Versuche unvollkommen bleiben, besteht das Leiden, das sie eigentlich beseitigen sollen, weiter.

Trotzdem verschaffen die Versuche der Selbstheilung zugleich eine gewisse Erleichterung.

Deshalb kann man sich mit ihnen einrichten und sich so das eigentliche Leiden immer wieder, wenn auch nie ganz, erträglich machen.

Das sich immer wieder meldende, nie ganz verschwindende, andererseits aber ebenso immer wieder verdrängte Leiden kann einem, so paradox das auch scheinen mag, sogar eine gewisse Befriedigung verschaffen.

Dann erfüllt man sich Wünsche, die einem eigentlich gar nicht gefallen, und geniesst schliesslich manchmal sogar, nicht zu geniessen.

Wegen der Linderung, der paradoxen Befriedigung, die die Selbstheilungsversuche trotz allem immer wieder verschaffen, gewöhnt man sich in gewisser Weise an sein Leiden. Auf verquere Weise hängt man sogar daran. Deshalb fällt es so schwer, auf sein Leiden zu verzichten, sich von ihm zu trennen.

Indem sie das, worunter man leidet, beseitigen sollen, es in Wahrheit jedoch verlängern, funktionieren die Versuche der Selbstheilung wie eine sich selbst erfüllende Prophezeiung: Sie bestehen meist in einem Tun, in Handlungen, aber auch in Phantasien, Vorstellungen und Gedanken, die genau das herbeiführen, was eigentlich vermieden werden soll.

Alles sagen

Die Psychoanalyse ist eine einzigartige Gelegenheit, die einem sonst nirgendwo geboten wird - eine Gelegenheit, sich ungestört, an einem geschützten Ort und in einer nur dafür reservierten Zeit, auf ein intensives Gespräch mit einem anderen einzulassen, in dem man alles sagen kann: All das, was man sonst nie und niemandem sagen konnte oder sagen kann. All das, was sonst niemand hören will. All das, was einem im Kopf herum geht. Was einen bedrückt, was man für Unsinn hält, was einem verrückt vorkommt. Die Wünsche, die einen erschrecken. Die Ängste, die einen lähmen. All jene Gedanken und Gefühle, die man nicht einmal sich selbst eingesteht und die man am liebsten gar nie hätte oder gehabt hätte.

Der Patient, der Analysant, spricht und der Analytiker hört.

Der Patient spricht von seinem Leiden und seinen Selbstheilungsversuchen, indem er alles, was ihm durch den Kopf geht, alles, was ihm einfällt, ausspricht.

Der Analytiker hört nicht nur auf das, was der Patient, sagt, sondern auch und vor allem darauf, wie er es sagt, wie er spricht: Auf das, von dem der Patient sagt, dass es wichtig oder nebensächlich ist, auf das, was er nicht sagt, darauf, wo er sich verspricht, sich unterbricht, wo er abschweift, wo er schweigt.

Denn in dem, was der Patient sagt, wird immer auch anderes und mehr, manchmal auch weniger, mitgesagt als das, was der Patient sagen möchte oder zu sagen meint.

Jeder Versuch des Patienten, das, worunter er leidet, ganz und gar zum Ausdruck, auf den Punkt zu bringen, geht immer auch ein wenig fehl, ein wenig daneben. Ein wenig missversteht der Patient sich immer selbst.

Deshalb hilft kein Selbstgespräch. Das hat man als Patient schon lange mit sich geführt, stellt aber irgendwann fest, dass man auf diese Weise nicht weiterkommt, weil einem dabei stets etwas entgeht.

Weil man dieses Selbstmissverständnis nicht für sich selbst, nicht allein auflösen kann, braucht es einen anderen, zu dem man spricht –  den Psychoanalytiker.

Denn eigentlich gibt es keine Selbstheilung. Zur Heilung braucht es immer einen anderen.



Das Unbewusste

Das Fehl- und Danebengehen im Sprechen, das Versprechen, auf das der Analytiker hört, ermöglicht ihm, die Aufmerksamkeit des Patienten auf das Mitgesagte, Zuviel- oder Zuweniggesagte, das Untersagte, das gewöhnlich Überhörte oder Ungehörte, das Verschwiegene, das Unbewusste zu lenken.

Indem er auf das Unbewusste aufmerksam macht, ermöglicht der Analytiker dem Patienten zu erfahren, worin sein Leiden, das er beständig selbst zu heilen versucht, eigentlich besteht und woher es rührt.

Dies erlaubt dem Patienten eine Neufassung, eine Neuinterpretation, eine neue Beschreibung dessen, worunter er leidet.

Diese neue Beschreibung kann es dem Patienten - diesmal in Kenntnis der Ambivalenz, der Paradoxie seiner bisherigen einsamen Selbstheilungsversuche - ermöglichen, einen neuen Versuch der Heilung zu unternehmen.

Anders leben

Während man sonst für sein Geld etwas bekommt, zahlt man bei der Psychoanalyse dafür, etwas zu verlieren, etwas loszuwerden.

Die Psychoanalyse verspricht nicht vollmundig, dass dabei jedes Leiden vollständig verschwindet, obwohl genau das sehr oft geschieht. Das Mindeste, das sie in Aussicht stellen kann, ist, dass der Patient mit dem, worunter er leidet, so umzugehen lernt, dass er sich nicht länger mit der immer wieder misslingenden Selbstheilung zufriedengibt, sondern das geniesst, was er sich bislang versagt hat.

Selbstheilungsversuche sind im Grunde so etwas wie trickreiche Erfindungen, um mit etwas zurechtzukommen, mit dem man auf keine andere Weise zurechtkommen kann. Sie kommen einem immer wie etwas Fremdes vor, etwas, das eigentlich nicht zu einem gehört, das man auch immer wieder loszuwerden versucht, auf das nicht verzichten zu können man am Ende aber doch tausend Gründe, tausend Rechtfertigungen, tausend Vorwände findet.

Obwohl wegen ihres teilweisen Misslingens stets etwas Befremdliches, sind einem die Selbstheilungsversuche deshalb doch zugleich so vertraut wie man selbst. Denn sie sind ja, auf eine Weise, zu einem Teil des eigenen Selbst geworden.

Um sie loszuwerden oder zumindest neu zu verstehen, muss man daher zunächst einmal diese Vertrautheit mit dem Fremden bei sich selbst verlieren. Man muss aufhören, sich auszukennen, sich selbst zu kennen.

Das ist anstrengend und für einen selbst und für die, mit denen man lebt, auch nicht ohne Risiko. Aber es ist nicht nur anstrengend, sondern kann auch spannend sein. Denn es ist nicht ausgeschlossen, dass man dabei an sich Seiten entdeckt, die man zuvor vielleicht nicht einmal geahnt hat.

Dabei kann sich herausstellen, dass dies am Ende sogar wichtiger ist als die Linderung des Leidens, dessentwegen man ursprünglich eine Psychoanalyse unternommen hat.

Es geht vor allem anderen darum, dass man erfährt, was das eigene Leben sein könnte, wenn man alles, was einem durch den Kopf geht, einem anderen gegenüber ausspricht und dieser andere einem zeigt, wo man es sich bis dahin untersagt hat, weiter zu denken, weiter zu sprechen, anders zu leben.

Ob diese Erfahrung, dieses Experiment letztendlich dazu führt, dass es ihm besser geht, entscheidet einzig und allein der Patient. Eine Psychoanalyse ermöglicht ihm jedoch vor allem und zunächst herauszufinden, wie es ihm überhaupt wirklich geht und warum es ihm geht, wie es ihm geht.

Sich neu erfinden

Das ist alles andere als eine Selbstfindung – oder wenn man so will, ist es die Findung, die Erfindung eines anderen Selbst als des wohlbekannten, das sich mit seinen einsamen und letztlich stets misslingenden Selbstheilungsversuchen eingerichtet hat und dem es stets so geht, wie es dies (vor allem von anderen, von denen es glaubt, dass sie es von ihm erwarten) für geboten hält. Dann stellt sich die Frage, was geschieht, wenn man die Krücken der Selbstheilungsversuche wegwirft und neu zu gehen, zu laufen, dem Unbekannten entgegenzurennen lernt.

Was, wenn man nicht mehr diese Angst hätte, auf eigenen Beinen zu stehen, auszugleiten, hinzufallen?

Psychoanalyse lässt einen erfahren, wie sehr der Wunsch, sich mit seinem Leiden und seinen Selbstheilungsversuchen einzurichten, Folge von Ängsten ist – und was es heissen könnte zu leben, ohne stets im vorhinein wissen zu müssen, was passieren wird.

In diesem Sinne eröffnet die Psychoanalyse durch eine Neufassung der eigenen Geschichte, der eigenen Vergangenheit, der eigenen Biographie, durch eine neue Erzählung die Möglichkeit für eine neue, erfülltere, bewusster gestaltete Zukunft.


 
 
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